Samstag, 19.10.2019 Mit der Zahnradbahn durch die wilde Vouraikos Schlucht

Manolis, der Campingplatzbetreiber vom Akrata Beach Camping fährt uns mit seinem Pkw zum Bahnhof in Diakopto. Er bietet einen Bring- und Abholservice für 30,- € an. Das ist ein fairer Preis für die 15 Km lange Strecke von Akrata bis Diakopto. 


Wir nehmen den ersten Zug um 09:05 Uhr. Zu so früher Stunde hält sich die Anzahl der mitreisenden Touristen sehr in Grenzen. 


Der Mond steht über den Bergen, obwohl es schon lange hell ist. Ohne Witz - das ist keine Fotomontage.


Wir können dem Lokführer und dem Schaffner, während der Fahrt, über die Schulter blicken. 


Ankunft am Zielbahnhof Kalavrita. In 738 m Höhe ist es noch ein wenig kühl heute Morgen. In unserem Reisehandbuch wird eine Wanderung durch die Schlucht, entlang bzw. auf den Bahngleisen, beschrieben. Uns wäre das ehrlich gesagt zu gefährlich. Kleiner Tipp: Wenn jemand meint es trotzdem tun zu müssen, sollte er sich zumindest die Wochentage zwischen Montag und Freitag dazu auswählen. An den Wochenenden werden aufgrund der höheren Nachfrage nämlich mehr Züge eingesetzt. 


Dank EU Zuschüssen fahren seit dem Jahr 2009 moderne, in der Schweiz hergestellte, Triebwagen auf der erneuerten Strecke. 


Kalavritas autofreie Hauptgasse führt vom Bahnhof zur Platia. Sie ist gesäumt von Souvenierläden, Restaurants und Bars. Die Pflastersteine hat man im Stil eines Gleisbetts verlegt. Übrigens: In einem der hippen Kaffees verlangte man 4,- € für einen Cappuccino. Da haben wir schnell (auf saarländisch "dabber") ein anderes Lokal aufgesucht.


Kalavrita zählt zu den bedeutendsten Wintersportorten Griechenlands. In dem 1750 Einwohner zählenden Städtchen gibt es Skiverleih und Ausrüstungsläden sowie Skischulen. Natürlich fehlt es auch nicht an Bars und Restaurants um den Apres Ski zu genießen.


Die Gedenkstätte der Exekution vom 13. Dezember 1943 befindet sich etwas außerhalb des Ortes. Am 07.12.1943 erschossen griechische Partisanen 81 deutsche Soldaten. Zwecks Vergeltung und "Säuberung" der Region wurde eine Jägerdivision entsandt. 


Daraufhin wurden 28 Dörfer in der Umgebung zerstört und fast 700 Griechen erschossen. Griechische Quellen sprechen sogar von bis zu 1500. Unter den Opfern befand sich u.a. die ganze männliche Bevölkerung von Kalavrita. 


Pünktlich um 12:43 Uhr verlässt unser Zug den Bahnhof von Kalavrita. Auf drei besonders steilen Teilstücken (Gefälle bis zu 14,5 Prozent)  sind die Gleise mit Zahnstangen versehen. Die Spurbreite beträgt lediglich 75 cm. Zum Vergleich die Normalspur hat ca. 1,40 m. Für die 22,4 km lange Strecke benötigt unser Zug eine gute Stunde.


Ein Rückfahrtticket kostet 19,- €. Senioren über 65 zahlen 14,30 €.  Die Strecke führt über 40 Stahl- und 15 Steinbrücken sowie durch zahlreiche unbeleuchtete Tunnels durch die grandiose Schlucht. Leider gelingen mir keine brauchbaren Fotos vom Fluß, den kleinen und größeren Wasserfällen, sowie den imposanten Felswänden. Aber das Erlebnis ist grandios - das können wir versichern. Wenn man in der Nähe ist, sollte man sich dieses Schauspiel keines falls entgehen lassen.  

 


Nach der Ankunft im Bahnhof von Diakopto: Der aktuelle Triebwagen aus Schweizer Produktion fährt gerade an seinem Vorgänger vorbei, der auf dem Abstellgleis vor sich hin rostet. Im Internet existieren noch viele Fotos der Zugstrecke auf denen noch der alte Triebwagen zu sehen ist. 



Solche liebevoll gestaltete Details sucht man an modernen Waggons eher vergebens.


Mit Graffiti "verschönert".


Ich schaue mich weiter um und entdecke noch einige andere ausrangierte Oldtimer auf den Abstellgleisen rund um den Bahnhof.


Die alte Dampflok wurde 1891 in Paris gebaut und zog bis 1959 die Waggons durch die Vouraikos Schlucht bis hinauf nach Kalavrita. 


Fehlen nur noch Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer.