Nach fast 8 Wochen und knapp 3500 Kilometer mit dem Wohnmobil in Marokko, hier ein kurz gefasstes Fazit. 

 

1. Land und Leute

Wir waren angenehm überrascht von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Marokkaner. Zu keiner Zeit hatten wir ein ungutes Gefühl. Natürlich sollte man aufpassen, von den Händlern nicht übers Ohr gehauen zu werden. Das passiert schon gerne einmal, vor allem anfangs, wenn man noch keine Vorstellung von den Preisen hat.  In den Souks wird man häufiger angesprochen und zum Kaufen animiert. Wenn die Händler bzw. Schlepper allerdings merken, dass kein Interesse besteht, lassen sie auch schnell wieder von einem ab. Dabei ist ein entschiedenes Auftreten von Vorteil. 

 

2. Sicherheit

Um es vorweg zu nehmen. Bisher haben wir uns in keinem anderen Land so sicher gefühlt wie in Marokko. Fälle von Kriminalität sind uns während des gesamten Aufenthaltes nicht bekannt geworden.  Lediglich einmal, auf dem CP in Fes haben wir mitbekommen, dass gleich mehrere Wohnmobile von Steine werfenden Kindern beschädigt worden sind. Uns selber ist so etwas nicht passiert.

 

3. Polizei

Polizisten sind allgegenwärtig und Polizeikontrollen alltäglich auf Marokkos Straßen. An den zahlreichen Kontrollstellen wurden wir, als ausländische Wohnmobilisten,  immer durchgewunken.  Außer einmal, als ich ein Ticket wegen überhöhter Geschwindigkeit bekam. Da kennen die marokkanischen Ordnungshüter kein Pardon. Ich fuhr 71 km/h, anstatt der erlaubten 60 Km/h. Abkassiert wurden dafür 150,- DH. Ohne zu fragen wurde mir ordnungsgemäß eine Quittung über den gezahlten Betrag ausgehändigt. Zweifellos trägt die hohe Polizei-Präsenz zur Sicherheit im Lande bei. Möglicherweise wirken marokkanische Gefängnisse auch nicht besonders einladend auf potenzielle Kundschaft. 

  

4. Internet

Wir benutzten während unseres kompletten Aufenthaltes Prepaid Karten von Maroc Telecom, die zu günstigen Preisen angeboten werden. Für 20 GB Datenvolumen zahlt man 200,- DH. Das sind etwas weniger als 20,- €. Fast überall hatten wir schnellen 4 G Empfang, was unserem LTE entspricht. Lediglich auf dem Land kam es manchmal zu Engpässen. Von so einer Netzabdeckung sind wir in Deutschland weit entfernt. Ein großes Lob an Maroc Telecom.

 

5. Geographie

Faszinierend sind die vielfältigen Landschaftsbilder Marokkos. Dazu gehören das Atlas Gebirge mit seinen schneebedeckten Gipfeln, aber auch fruchtbare Flussläufe, grüne Ebenen, wilde Schluchten, ebenso wie die Wüste Sahara, mit den rötlich schimmernden Sanddünen, des Erg Chebbi. Nicht minder fasziniert waren wir von den  Städten mit ihren Medinas und Souks. Im Allgemeinen hat uns die Strecke im Landesinneren wesentlich besser gefallen, als die der Atlantik Küste entlang. Ich finde es ratsam dies bei der Planung zu berücksichtigen. Schade ist die Tatsache, dass die traditionelle Bauweise der Kasbah’s aus Stampflehm schon lange nicht mehr angewendet wird. Die noch vorhandenen  Gebäude zerfallen langsam und lassen nicht viel mehr als einen Hügel aus Sand übrig. 

 

6. Campingplätze

Gute Campingplätze, mit annähernd europäischem Standard, sind leider die Ausnahme. Viele Anlagen befinden sich in einem erbärmlichen Zustand.  Wenn die Grenze des Zumutbaren überschritten ist, muss man halt die eigene Toilette und Dusche benutzen. Die haben wir ja zum Glück  immer dabei. Trotzdem stellt sich auf einem solchen Platz natürlich kein Wohlgefühl ein. Positiv hervorheben können wir folgende Plätze: 1. Relais de Marrakech, in Marrakech, 2. Camping Atlas, in Tinerhir, 3. Camping Kasbah Jurassic, in Errachidia, 4. Camping Tifina, in Arfoud, 5. Camping Laguna Park, in Oualidia (El Jadida), 6. Camping Aourir, in Aourir.

 

7. Straßen

Im Vorfeld haben wir gelesen, dass die marokkanischen Straßen in hervorragendem Zustand sein sollen. Das trifft unserer Erfahrung nach, auf die Autobahnen zu. Ebenso auf die meisten Nationalstraßen. Mit P- und R gekennzeichnete Straßen waren oft sehr holprig, bzw. richtige Schlaglochpisten. Allgemein ist zu beobachten, dass mit Hochdruck an vielen Straßen gearbeitet wird. 

 

8. Lebensmittel/Fisch/Preise

Man bekommt alles, was man zum täglichen Bedarf benötigt, entweder im Supermarkt oder in kleinen Läden, die man überall antrifft. Supermärkte sind  nicht besonders preiswert.   Frisches Obst und Gemüse, in bester Qualität, werden häufig beim Händler an der Straße, zu unglaublich niedrigen Preisen angeboten. Zwei Mal haben wir Fleisch vom Metzger an der Straße gekauft. Einmal Lamm, ein anderes mal Ziege. Wobei das Lammfleisch sehr zart und wohlschmeckend war. Das Ziegenfleisch eher zäh. Aufpassen sollte man  wenn der Metzger das Fleisch zerlegt, man könnte auch sagen zerstückelt. So wird das Fleisch zum Zubereiten des Landesgerichtes Tajine verkauft. Am besten vorher genau überlegen, welche Stücke man gerne hätte, und diese, wenn möglich, selbst zerteilen. 

 

Fisch ist ein besonderes Kapitel. Bisher habe ich noch in keinem anderen Land außer Marokko  gesehen, dass frischer Fisch auf dem Markt ungekühlt aufbewahrt und zum Verkauf angeboten wird. Da sollte man sich schon überlegen, ob man zugreift. Wir kauften einmal fangfrischen Fisch direkt vom Kutter, da konnten wir nichts falsch machen. Man kann natürlich seinen Fisch auch im Supermarkt kaufen. 

 

9. Alkohol

Wir trinken gerne Wein und haben nicht schlecht gestaunt, als wir die erste Flasche marokkanischen Weines gekostet haben. Die Qualität ist wirklich hervorragend. In der Gegend um Meknes gibt es einige große Weingüter. Nach Absprache kann man Besichtigungen mit anschließender Verköstigung buchen. Kaufen kann man den Wein dort aber leider nicht. Außerdem sind die Führungen recht teuer, weshalb wir auch darauf verzichteten. Am besten kauft man seinen Wein im Carrefour. Im Preissegment um 60,- DH findet man schon sehr gute Produkte. Hier ein paar Weine, die wir ausprobiert und für gut befunden haben: 1. Domaine de Sahari, 2. Cuvée du Président (als Rotwein und Rosé) 3. Guerrouane Rouge von Les Trois Domaines. Andere Supermärkte, wie z.B. Marjane führen keine alkoholische Getränke.

 

10. Ramadan

Einen Besuch des Landes während des Ramadan würde ich künftig vermeiden. Also - vorher über den Zeitraum informieren. Für uns Touristen bringt der Ramadan nämlich einige Nachteile mit sich. Fast alle Restaurants und viele Läden sind während dieser Zeit geschlossen. Brot bekommt man erst ab ca. 17:00 Uhr, Alkohol überhaupt nicht - auch nicht im Carrefour. Öffnungszeiten von Sehenswürdigkeiten sind oft eingeschränkt. Es scheint so, als ob das öffentliche Leben tagsüber gar nicht mehr stattfindet.

 

11. Fähre 

 

Aus Bequemlichkeit und zur Verkürzung der Rückreise haben wir über das Internet Portal A Ferry eine Fähre von Tanger Med nach Barcelona gebucht. Leider mussten wir folgendes feststellen: Die M/V Cruise Smeralda von Grimaldi Lines hat ihre besten Tage bereits hinter sich. Die Kabinen sind abgewohnt. Sauberkeit ist oberflächlich wohl vorhanden. Genauer hinsehen sollte man jedoch nicht. Es werden anscheinend mehr Tickets verkauft, als das Schiff Sitze hat. Deshalb liegen auf den Fluren, Bars, Lounges usw. die Passagiere zum Schlafen auf Bänken bzw. auf dem Boden. Nachts gab es einen Totalausfall der Vakuum Toilettenanlage im ganzen Schiff. Im Laufe des Tages wurde daran gearbeitet, sodaß in einigen Kabinen und öffentlichen Toiletten die Anlage wieder funktionsfähig war. Wir raten von einer Überfahrt mit diesem Schiff ab.